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12.01.2010, 11:05
Los-Nummer 250 bei der Bonhams-Auktion auf der Retromobile in Paris ist ein ganz Besonderes: es ist der Bugatti Brescia Typ 22 Roadster, der im vergangenen Jahr in einer spektakulären Aktion von Tauchern aus dem Lago Maggiore geborgen wurde.
Bereits seit 1967 bekannt, dass der Wagen im Lago Maggiore vor Ascona liegt, über die Geschichte kursierten allerdings nur Gerüchte. Nach der Hebung des Wracks aus 70 Metern Tiefe haben Recherchen der letzten Monate nun auch Details zur Historie des Wracks ans Tageslicht gebracht.
Erstmals zugelassen wurde der Wagen mit der Chassisnummer 2461 in Nancy am 11. April 1925 auf Georges Paiva, wohnhaft in der 49 Rue des Dominicains, und bekam das Kennzeichen 8843 N 5. 1930 ist der Wagen dann nach Paris verkauft worden. Auf einer kleinen Messingplatte, die nach der Bergung auf dem Auto gefunden wurde, ist der Name „Georges Nielly, 48 Rue Nollet, Paris“ eingraviert, allerdings sind vom amtlichen Kennzeichen nur die letzten Ziffern „RE 1“ lesbar. Diese Zulassung wurde in Paris zwischen Mai und Juni 1930 ausgegeben und lässt vermuten, dass Georges Nielly das Auto zuvor in Nancy erworben hatte.
Der Besitzer in Ascona konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Am wahrscheinlichsten ist Marco (Max) Schmuklerski, ein in Zürich geborener Architekt polnischer Herkunft, der zwischen 17. Juli 1933 und 25. August 1936 in dem Kurort lebte und dann zurück nach Zürich ging. Schmuklerski entwarf in Ascona unter anderem das „Casa Bellaria“, ein Wohnblock, der erst vor kurzem abgerissen wurde.
Da er in Paris Architektur studiert hatte, kann es gut sein, dass er Nummer 2461 von Georges Nielly gekauft und in die Schweiz gebracht hat. Eine andere denkbare Variante: Schmuklerski hat den Wagen in Ascona von einem Touristen oder Kunden gekauft. Wie auch immer, fest steht: Ein eidgenössisches Kennzeichen hat der Wagen nie bekommen. Der Bugatti wurde in der Schweiz ausschließlich mit französischen Kennzeichen gefahren, Einfuhrzoll wurde nie bezahlt.
In Ascona geht die Geschichte um, dass Schmuklerski bei seiner Abreise den Wagen zurückließ, deponiert im Garten des lokalen Bauunternehmers Barra. Wer der Besitzer zu diesem Zeitpunkt war, ist unbekannt. Aber die örtlichen Zollbeamten wussten um den Wagen und bestanden auf Zahlung der Einfuhrabgaben – die den Wert des damals elf Jahre alten Gebrauchtwagens vermutlich überstiegen. Laut Gesetz musste der Wagen bei Nicht-Bezahlung zerstört werden – und der einfachste Weg war die Versenkung im Lago Maggiore. Für eine spätere Hebung wurde eine schwere Eisenkette an dem Wagen befestigt – diese rostete allerdings im Laufe der Jahre weg, und der Wagen rutschte auf den Grund in 53 Metern Tiefe.
Dort blieb der Wagen, vergessen, bis zum 18. August 1967, als Ugo Pillon den Mythos lokalisieren konnte und er in den folgenden Jahren zum beliebten Ziel von Tauchern wurde. Die linke Seite war komplett im Schlamm vergraben, im Laufe der Jahre war der Wagen noch tiefer gerutscht. Nach 73 Jahren unter Wasser erblickte der Bugatti unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit am 12. Juli 2009 per Kran wieder das Tageslicht.
Die linke Seite wurde durch den Schlamm konserviert, während die rechte Seite fast vollständig weggerostet ist. Die Teile aus Holz, Aluminium, Messing, Gummi usw. haben in besserem Zustand überlebt. In den letzten Monaten wurde der Wagen eingehend untersucht. Das Typenschild samt Chassisnummer fehlt, ebenso das emaillierte Kühlerabzeichen. Davon abgesehen sind alle weiteren relevanten Daten an ihren herkömmlichen Stellen zu finden. Die Fahrgestellnummer 2461 befindet sich am rechten vorderen Motorträger (bei Auspuffkrümmer und Lenkgetriebe), die Motornummer auf dem Nockenwellengehäuse und auch auf der Stirnseite des unteren Kurbelgehäuse, neben der Wasserpumpe. Das Getriebe trägt die Nummer 964, die Hinterachse hat keine Nummer – üblich beim Brescia-Modell.
Der Kühler stammt von Chausson, wie das Schild über der Handkurbel zeigt; auf den beiden Hinterfederaufhängungen sind die Messing-Platten mit „EB, Bugatti, Molsheim (Elsass)“ zu finden. Im Gegensatz zu den Fabrikangaben, die einen Solex-Vergaser vorsahen, hat das Fahrzeug einen Zenith-Vergaser aus Bronze. Die zwei Magnetzünder von SEV sind wie üblich in der Mitte des Armaturenbretts angebracht. Mehrere Hinweise deuten darauf hin, dass die Karosserie Ende der 1920er Jahre verändert oder gar getauscht wurde. Vermutlich hatte der Wagen anfangs eine einfache Rennkarosserie ohne Elektrik und Schutzbleche.
Nun kommt das Wrack also unter den Hammer, ohne Limit - Bonhams hat den Schätzpreis zwischen 70.000 und 90.000 Euro angesetzt. Der Erlös geht an die Stiftung Fondazione Damiano Tamagni, die den Wagen aus dem Lago geholt hatte. Der 22jährige Damiano war im Februar 2008 von Jugendlichen erschlagen worden, die Stiftung seiner Eltern setzt sich für Gewaltpräventation ein.
Wer den Bugatti ersteigern wird, was danach mit ihm passiert – darüber wird bereits jetzt heftig spekuliert. Dass der Wagen jemals wieder auf die Straße kommt, ist nicht sehr wahrscheinlich – laut Bonhams sind für einen Wiederaufbau nur rund 20 Prozent vorhanden. Möglich wäre eine Replika nach seinem Vorbild, oder den Wagen so belassen wie er heute ist. Letzteres ist wohl die wünschenswerteste Variante: als Zeitzeuge mit einer ganz besonderen Geschichte in einem öffentlich zugänglichen Museum.
Bereits seit 1967 bekannt, dass der Wagen im Lago Maggiore vor Ascona liegt, über die Geschichte kursierten allerdings nur Gerüchte. Nach der Hebung des Wracks aus 70 Metern Tiefe haben Recherchen der letzten Monate nun auch Details zur Historie des Wracks ans Tageslicht gebracht.
Erstmals zugelassen wurde der Wagen mit der Chassisnummer 2461 in Nancy am 11. April 1925 auf Georges Paiva, wohnhaft in der 49 Rue des Dominicains, und bekam das Kennzeichen 8843 N 5. 1930 ist der Wagen dann nach Paris verkauft worden. Auf einer kleinen Messingplatte, die nach der Bergung auf dem Auto gefunden wurde, ist der Name „Georges Nielly, 48 Rue Nollet, Paris“ eingraviert, allerdings sind vom amtlichen Kennzeichen nur die letzten Ziffern „RE 1“ lesbar. Diese Zulassung wurde in Paris zwischen Mai und Juni 1930 ausgegeben und lässt vermuten, dass Georges Nielly das Auto zuvor in Nancy erworben hatte.
Der Besitzer in Ascona konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Am wahrscheinlichsten ist Marco (Max) Schmuklerski, ein in Zürich geborener Architekt polnischer Herkunft, der zwischen 17. Juli 1933 und 25. August 1936 in dem Kurort lebte und dann zurück nach Zürich ging. Schmuklerski entwarf in Ascona unter anderem das „Casa Bellaria“, ein Wohnblock, der erst vor kurzem abgerissen wurde.
Da er in Paris Architektur studiert hatte, kann es gut sein, dass er Nummer 2461 von Georges Nielly gekauft und in die Schweiz gebracht hat. Eine andere denkbare Variante: Schmuklerski hat den Wagen in Ascona von einem Touristen oder Kunden gekauft. Wie auch immer, fest steht: Ein eidgenössisches Kennzeichen hat der Wagen nie bekommen. Der Bugatti wurde in der Schweiz ausschließlich mit französischen Kennzeichen gefahren, Einfuhrzoll wurde nie bezahlt.
In Ascona geht die Geschichte um, dass Schmuklerski bei seiner Abreise den Wagen zurückließ, deponiert im Garten des lokalen Bauunternehmers Barra. Wer der Besitzer zu diesem Zeitpunkt war, ist unbekannt. Aber die örtlichen Zollbeamten wussten um den Wagen und bestanden auf Zahlung der Einfuhrabgaben – die den Wert des damals elf Jahre alten Gebrauchtwagens vermutlich überstiegen. Laut Gesetz musste der Wagen bei Nicht-Bezahlung zerstört werden – und der einfachste Weg war die Versenkung im Lago Maggiore. Für eine spätere Hebung wurde eine schwere Eisenkette an dem Wagen befestigt – diese rostete allerdings im Laufe der Jahre weg, und der Wagen rutschte auf den Grund in 53 Metern Tiefe.
Dort blieb der Wagen, vergessen, bis zum 18. August 1967, als Ugo Pillon den Mythos lokalisieren konnte und er in den folgenden Jahren zum beliebten Ziel von Tauchern wurde. Die linke Seite war komplett im Schlamm vergraben, im Laufe der Jahre war der Wagen noch tiefer gerutscht. Nach 73 Jahren unter Wasser erblickte der Bugatti unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit am 12. Juli 2009 per Kran wieder das Tageslicht.
Die linke Seite wurde durch den Schlamm konserviert, während die rechte Seite fast vollständig weggerostet ist. Die Teile aus Holz, Aluminium, Messing, Gummi usw. haben in besserem Zustand überlebt. In den letzten Monaten wurde der Wagen eingehend untersucht. Das Typenschild samt Chassisnummer fehlt, ebenso das emaillierte Kühlerabzeichen. Davon abgesehen sind alle weiteren relevanten Daten an ihren herkömmlichen Stellen zu finden. Die Fahrgestellnummer 2461 befindet sich am rechten vorderen Motorträger (bei Auspuffkrümmer und Lenkgetriebe), die Motornummer auf dem Nockenwellengehäuse und auch auf der Stirnseite des unteren Kurbelgehäuse, neben der Wasserpumpe. Das Getriebe trägt die Nummer 964, die Hinterachse hat keine Nummer – üblich beim Brescia-Modell.
Der Kühler stammt von Chausson, wie das Schild über der Handkurbel zeigt; auf den beiden Hinterfederaufhängungen sind die Messing-Platten mit „EB, Bugatti, Molsheim (Elsass)“ zu finden. Im Gegensatz zu den Fabrikangaben, die einen Solex-Vergaser vorsahen, hat das Fahrzeug einen Zenith-Vergaser aus Bronze. Die zwei Magnetzünder von SEV sind wie üblich in der Mitte des Armaturenbretts angebracht. Mehrere Hinweise deuten darauf hin, dass die Karosserie Ende der 1920er Jahre verändert oder gar getauscht wurde. Vermutlich hatte der Wagen anfangs eine einfache Rennkarosserie ohne Elektrik und Schutzbleche.
Nun kommt das Wrack also unter den Hammer, ohne Limit - Bonhams hat den Schätzpreis zwischen 70.000 und 90.000 Euro angesetzt. Der Erlös geht an die Stiftung Fondazione Damiano Tamagni, die den Wagen aus dem Lago geholt hatte. Der 22jährige Damiano war im Februar 2008 von Jugendlichen erschlagen worden, die Stiftung seiner Eltern setzt sich für Gewaltpräventation ein.
Wer den Bugatti ersteigern wird, was danach mit ihm passiert – darüber wird bereits jetzt heftig spekuliert. Dass der Wagen jemals wieder auf die Straße kommt, ist nicht sehr wahrscheinlich – laut Bonhams sind für einen Wiederaufbau nur rund 20 Prozent vorhanden. Möglich wäre eine Replika nach seinem Vorbild, oder den Wagen so belassen wie er heute ist. Letzteres ist wohl die wünschenswerteste Variante: als Zeitzeuge mit einer ganz besonderen Geschichte in einem öffentlich zugänglichen Museum.